arbeit und familie vereinbaren mit COWORKING TODDLER

by malina ebert

by malina ebert

Auf einer sommerlichen Elternbloggerparty am Wannsee lernte ich Sandra Runge von Smart-Mama kennen. Ihr wunderbarer Blog, alles rund um Mama-Rechte, fiel mir schon lange vorher auf. Auf Anhieb waren wir uns sympathisch und wie es dann immer so ist, verloren wir uns analog aus den Augen. Aber digital treffen wir uns ganz oft. Schön, dass das Arbeiten 4.0 oder wie wir das auch immer nennen mögen, die Chance gibt, uns so gut zu vernetzen und nicht allein zu sein. Nicht allein kannst du hoffentlich bald auch in einem Coworking-Space sein, der es auch Eltern mit kleinen Kindern ermöglicht, mit Gleichgesinnten zu arbeiten und sich zu vernetzen. Sandra  und ihr Team haben gerade eine Crowdfunding-Kampagne bei Startnext zu laufen, um ihre Idee mit drei anderen Partnern umzusetzen. Sandra und Marc haben zwei Jungs (2 und 5 Jahre ) und Juliane und Dirk haben ein Mädchen (1 Jahr) und einen Jungen (4 Jahre) und ziehen ihre Vision durch, trotz und wegen Job und kleiner Kinder. Das macht uns neugierig, denn wir finden, gerade für uns Eltern, das Gründen neben dem Job eine gute Möglichkeit, seine Träume zu verwirklichen.

Wie entstand die Idee zu Coworking Toddler?

Sandra: Coworking Toddler wurde Anfang 2014 von einer Gruppe Eltern aus Berlin initiiert, die die Idee für sich und ihre Kinder umsetzen wollten. Doch sie konnten die Idee irgendwann nicht weiter führen, vor allem, weil ihnen die Zeit fehlte. Ich wollte sie aber unbedingt verwirklichen und so habe ich ein neues Team aufgestellt.

juliane gringer by malina ebert

juliane gringer by malina ebert

Was ist die Besonderheit eures Konzeptes?

Juliane: Wir haben eine realistische Lösung für echte Vereinbarkeit: Bei uns kann man im Nahbereich der Kinder arbeiten, während diese bindungs- und bedürfnisorientiert arbeiten. Das gibt es so in Deutschland noch nicht – wir finden aber, es wird höchste Zeit!

sandra runge by malina ebert

sandra runge by malina ebert

Wie habt ihr euch als Partner gefunden

Sandra: Zuerst habe ich meinen Mann Marc dazu geholt, der als Unternehmensberater die Themen Strategie und Finance betreut. Juliane und Dirk sind ehemalige Nachbarn von uns, wir hatten schon öfter darüber nachgedacht, dass wir beruflich gut zusammen passen würden. Nun ergab sich diese Chance. Als Team von zwei Elternpaaren haben wir ähnliche Ziele und Vorstellungen von Arbeiten: Wir wollen die Idee mit aller Kraft vorantreiben und Coworking Toddler Realität werden lassen. Gleichzeitig darf die Familie nicht zu kurz kommen: Meetings am späten Nachmittag finden bei uns nicht statt oder sie werden einfach mit allen vier Kids auf den Spielplatz verlegt. Am Abend skypen wir und wir telefonieren manchmal zu sehr ungewöhnlichen Zeiten – einfach so, wie es in unseren turbulenten Alltag passt.

 

Wo soll zukünftig der Standort sein?

Dirk: Der erste Standort soll in Berlin sein, später sollen viele weitere in anderen Städten Deutschlands folgen.

Wie  ergänzt ihr euch als Partner bzw. wo tickt ihr ganz ähnlich?

Marc: Wir bringen alle Erfahrungen aus unterschiedlichen Branchen mit, das ist spannend und ergänzt sich gut. Wenn wir Themen und Entscheidungen diskutieren, dann finden wir meist relativ schnell eine Lösung. Wir sind uns auch einig darin, dass man bei der Gründung eines Unternehmens einen langen Atem haben muss und unterstützen uns gegenseitig, je nachdem wann einer vielleicht mal vorübergehend weniger zum Projekt beitragen kann – schließlich müssen wir alle in der Gründungsphase noch auf anderem Weg unseren Lebensunterhalt verdienen. Diese Mehrfachbelastung ist manchmal wirklich hart – da wir sie alle kennen, motivieren und helfen wir uns da untereinander.

Warum habt ihr euch entschieden, eine Crowdfunding-Kampagne zu starten?

Dirk: Gemeinschaft ist der Kern von Familie, genau wie beim Crowdfunding. Uns gefällt, dass mit so einer Kampagne viele Menschen gemeinsam Großes schaffen können.

dirk lüneberg by malina ebert

dirk lüneberg by malina ebert

Wie viel Arbeit macht so eine Kampagne?

Marc: Viel mehr als man glaubt. Es ist ein echter Kraftakt, der zwar auch eine Menge Spaß macht, aber das kann man mit einem kleinen Team kaum stemmen: Man muss an so vielen Schauplätzen gleichzeitig aktiv sein, da muss man wirklich richtig ranklotzen. Schließlich müssen so viele Menschen wie möglich in kurzer Zeit von einer Kampagne erfahren und dazu muss man in den Sozialen Medien ordentlich trommeln, Interviews führen und so viele Leute wie möglich ansprechen. Wir haben in den vergangenen Wochen unendlich viele Flyer verteilt, Mails geschrieben, Posts abgesetzt und persönliche Kontakte angerufen: Das war toll, aber auch unheimlich anstrengend.

Wer hat euch dabei wie unterstützt?

Sandra: Ganz viele liebe Menschen haben uns geholfen und mit ihrem Wissen, ihren Netzwerken und ihrer Spendenbereitschaft. Zu unseren wichtigsten Unterstützern zählen unter anderem Béa Beste, Gabriele Patzschke, Nora Imlau, viele Elternblogger und natürlich unsere engsten Freunde. Es war ganz wunderbar zu erleben, wie sie Zeit und Geduld investiert haben, um uns zu helfen. Wir sagen gern auch auf diesem Weg noch einmal danke dafür!

Würdet ihr das auch anderen Eltern mit einer Projektidee empfehlen?

mark runge by malina ebert

mark runge by malina ebert

Marc: Wer eine Crowdfunding-Kampagne startet, sollte sehr genau überlegen, ob die Zielgruppe seines Projekts über diesen Kanal erreichbar ist. Dann muss die Manpower stimmen: Mindestens eine Person sollte sich in Vollzeit nur auf die Kampagne konzentrieren können. Außerdem braucht es aber noch viele weitere Helfer. Wer das stemmen kann, der sollte es unbedingt probieren. Es war für uns eine einmalige Erfahrung, die uns auch persönlich sehr vorangebracht hat.

Und abschließend: Wenn ihr einen Wunsch frei hättet, was würdet ihr euch wünschen?

Sandra: Wir wünschen uns, dass Mütter und Väter in Zukunft nicht mehr vor der Wahl stehen, dass sie entweder ihre Kinder „outsourcen“ müssen oder nicht in den Beruf zurückkehren können. Wir möchten, dass die Idee vom Arbeiten im Nahbereich der Kinder offen aufgenommen wird und auch von Unternehmen als echte Chance erkannt wird, wie sie echte Familienfreundlichkeit – auch zum Wohle der Kinder - ermöglichen können.

Ich danke euch sehr für das Interview und hoffe, dass ihr in den nächsten drei Tagen die Fundingschwelle noch erreicht!

Silke Ababneh